Das Recht, sich mitzuteilen

Unsere Hunde verfügen über eine breite Palette von Kommunikationsmöglichkeiten mit dem sie mit uns Menschen, wie auch mit Artgenossen, Kontakt aufnehmen. Für Menschen ist es oft schwer zu erkennen, was unser Hund uns „sagen“ möchte. Dazu müssen wir seine Körpersprache und die dazugehörige Lautäußerung lernen und verstehen. Diese besteht aus Winseln, Jaulen, Bellen, Heulen und Knurren. Es sind natürliche Verhaltensweisen unserer Vierbeiner.

Hunde haben ein Recht sich zu äußern und mitzuteilen!

Warum bellen Hunde? Bellen ist unter Hunden der Versuch, uns Menschen und Artgenossen etwas mitzuteilen, auf das der „Angesprochene“ sofort reagieren soll. Das Bellen ist immer mit der dazugehörigen Körperhaltung und Stimmung des Hundes, sowie der momentanen Situation zu deuten, zu verstehen und richtig zu handeln.

Bellen enthält eine Botschaft!

Unsere Hunde wollen auf sich aufmerksam machen, uns zum spielen oder Gassi gehen auffordern oder ihre Unzufriedenheit ausdrücken. Sie zeigen uns ihre Ängste, Überforderung, Unterforderung und Stress. Sie bellen vor Aufregung, Freude, Erwartung, aber auch aus Langeweile.
Sie wollen auf irgendetwas aufmerksam machen, eine Gefahr oder etwas Unbekanntes anzeigen, ob an der Haustür oder am Gartenzaun. Sie wollen ihr Territorium und uns Menschen gegenüber Fremden abgrenzen, beschützen und verteidigen. Kein Hundehalter sollte von seinem Hund erwarten, dass dieser sich ruhig verhält und keinen Laut von sich gibt, sowie es an der Tür klingelt oder Fremde das Grundstück betreten. Es liegt in der Natur des Hundes, auf Gefahren hinzuweisen. Er hat ein Recht, das wir Menschen in diesen Situationen richtig handeln.
Hieraus ergeben sich folgende Fragen:

  • Warum bestrafen wir ihn?
  • Wieso schreien wir ihn an?
  • Weshalb ignorieren wir ihn?

Nur wenn wir Menschen auf seine Lautäußerungen und somit auch die Bedürfnisse eingehen, handeln wir aus Hundesicht richtig.

Vergleichen wir das Hundeverhalten mit dem Verhalten der Menschen, so stellen wir fest, dass es viele Parallelen gibt. Wir bauen Zäune, um unsern Besitz zu kennzeichnen und Fremden gegenüber abzugrenzen. Was passiert, wenn jemand unaufgefordert unser Grundstück betritt? Wir laufen raus und vertreiben diejenigen, gegebenenfalls auch laut und unfreundlich.
Warum nun darf unser Hund das nicht?

Das oft missverstandene Knurren von Hunden, interpretieren wir Menschen meist als Aggression, welche wir ihm gleich konsequent verbieten oder ihn dafür bestrafen. Warum darf der Hund uns gegenüber nicht seine Sicht der Dinge sagen? Knurren gehört zum normalen Ausdrucksverhalten der Hunde. Knurrt ein Hund, so kann das verschiedene Gründe haben: es kann als Drohung oder Warnung gemeint sein, aus Angst aber auch beim Spielen. Hunde untereinander können sich durch das Knurren verständigen und sich gegebenenfalls aus dem Weg gehen. Uns Menschen gegenüber ist es meistens eine Warnung, die wir respektieren müssen! Jeder Hund hat ein Recht auf Rückzugsmöglichkeiten, wo er sich dem Menschentrubel entziehen kann und auf Ruhe; ungestörten Schlaf ohne streichelnde Hände; seine Angst gegenüber Gegenständen aber auch Menschen zum Ausdruck zu bringen und sein Futter oder seine Ressourcen zu verteidigen. Die Warnung ist eindeutig zu verstehen. „Finger weg, Meins!“ „Du tust mir weh!“ „Lass mich in Ruhe!“ oder „Ich habe Angst!“ Nun sollten wir uns überlegen, warum sich unser Hund genötigt sieht, uns anzuknurren. Haben wir vielleicht nur nicht sein uneingeschränktes Vertrauen? Es liegt am Menschen, seine Bedürfnisse und Rechte zu respektieren!

Auch hier der Vergleich mit uns Menschen. Wir sitzen immer am gleichen Platz, haben unser Bett, welches wir auch für uns in Anspruch nehmen. Lassen wir uns unsern Platz streitig machen? Wir wollen unsere Ruhe oder Schlafen. Wie reagieren wir, wenn uns ständig einer stört? Auch unser Essen lassen wir uns nicht wegnehmen. Was passiert, wenn doch?
Warum nun darf unser Hund das nicht?

Das Winseln oder Jaulen findet man bei Verlassenheit und Unruhe. Wir Menschen gehen weg und lassen den Hund alleine. Haben wir ihn langsam und liebevoll an das Alleinsein gewöhnt, wird er sich in unserer Abwesenheit auch nicht unwohl fühlen, da er weiß, meine Menschen kommen gleich wieder. Sagt ihm, dass er nicht lange alleine ist. Er wird es verstehen! Auch vor Aufregung wird der Hund winseln, sobald wir dann nun endlich wieder nach Hause kommen. Begrüßen wir ihn mit der gleichen Freude. Er wird es verstehen! Wenn unseren Hund vor Schmerzen jault oder winselt, müssen wir das erkennen, fühlen und sofort reagieren! Unternehmen wir etwas gegen die Schmerzen und trösten wir ihn. Er wird es verstehen!

Bei vielen Hundetrainern lautet die Therapie: Ignorieren. Hier der Vergleich mit uns Menschen. Unser Partner verlässt, ohne uns eines Blickes zu würdigen und etwas zu sagen, das Haus. Wie fühlen wir uns? Das gleiche auch bei der Heimkehr. Kein nettes Wort oder Umarmung. Wie fühlt man sich da?

Wir Menschen reden, lachen, schreien oder weinen und bekommen von unsern Gegenüber, sei es Mensch oder Hund, eine „Antwort“ oder eine „Reaktion“. Hunde haben das Recht sich verbal zu äußern! Es ist ihre einzige Möglichkeit, sich uns mitzuteilen!

Conny (Coachanwärter im Hundeguru-Team)

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